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Freitag, 12. Januar 2024

Mit Abstand betrachtet

 
Ah, da ist er wieder, der Jahresblues.


Ich muß mir eingestehen, das ich offenbar ein ungesundes Verhältnis zu meinem KFZ etwickelt habe. Mein Freundeskreis kann ein sich ein inneres Augenrollen sicherlich nicht verkneifen wenn der Wagen wieder mal ein Thema ist. Und dies ist wirklich oft der Fall. Nahezu täglich höre ich und sehe ich Problemchen bzw. kommende Probleme welche meinen inneren Monk aufgeschreckt herumspringen lassen. Hier rumpelt was, da ist was lose, dort löst sich schon wieder was auf, jenes wird bald Ärger machen, was ist das wieder für ein neues Geräusch (nur für meine Ohren)? ect...

Dies führt zu einer ganz schönen Unentspanntheit beim fahren. Ein spitzärschiges Fahren quasi. 

Dies bringt natürlich niemals irgendeine Art von Gelassenheit in den Umgang. Jede Fahrt ist irgendwie belastet. Und das ist etwas, was eigentlich so garnicht DAS ist weswegen ich mir die Mühle ans Bein gebunden hatte! Denn zuvor fuhr ich ja den seeligen Commo A GS, welcher aber so gut war das sich für mich auch hier ein entspanntes Fahren nicht einstellte, da er natürlich bei jeder Fahrt zusehends dem Verfall näher kam. So war der 170er für mich natürlich der Hit in Dosen. Voll runtergerockt und sicherlich unglaublich zuverlässig weil er noch aus einer verklärten Ära des Automobilbaues stammte. 

Nun, mittlerweile habe ich einen rationaleren Blick auf diese Dinge. Für seine Epoche ist der 170er schon sehr gut und auch - Achtung - recht zuverlässig. Aber ich bin da wohl - ohne mich erhöhen zu wollen, es ist nur eine Feststellung, - etwas unerbittlicher in meinen Ansprüchen. Andere nennen das Rosinen im Kopf. Von weitem betrachtet ist der Wagen super leidensfähig. Denn für das was ich mit Ihm mache, ist der im Leben nicht konstruiert worden. Nur lege ich diese Maßstäbe einfach an Ihm an - und das ist tatsächlich nicht in Ordnung.  

Ich stecke unfaßbar viel Arbeit und Geduld (Geld sowieso) in Ihn rein und erwarte dabei wohl sowas wie Loyalität oder gar Dankbarkeit. Kürzlich habe ich Ihn in einem Anflug aus Frust sogar angeschrien und Ihm vorgehalten das er ohne meine aufopferungsvolle Zuneigung schon längst beim Abdecker, oder in Teilen zerlegt in alle Winde zerstreut wäre und er mal langsam Klar kommen solle....Sie merken gerade wo das so hinläuft....

Darauf bin ich natürlich nicht selber gekommen, sondern mein leidgeprüftes Umfeld hat durch stets Klopfen einen Durchbruch erziehlt. Wenn das Thema "wie geht es den deinem Finsteren?" (für die Neu hinzugekommenen : damit ist der Wagen gemeint. Der finstere Hagen wird er gerufen...), bin ich immer schnell mit klagen dabei. Und in letzter Zeit war doch deutlich zu hören, das ich mir mal bewußt sein solle was ich da eigentlich habe und es wahrlich ein klagen auf hohem Niveau seie. Denn er laufe für sein Alter wirklich sehr brav und ist nun wirklich etwas Besonderes....

Tja, da mußte ich selber mal ein paar Schritte zurücktreten und den Finsteren mal wieder mit den Augen betrachten mit denen ich ihn erwarb (Ich war wie vom Blitz getroffen). Und dieser Schritt tat sehr, sehr gut. Denn ich finde das Ding immer noch r-a-t-t-e-n-g-e-i-l. Und es gibt nunmal einen verfickten Grund, warum ich damit immer noch herumrutsche. Dieses wieder erweckte Bewußtsein, hat mir ordentlich Druck herausgenommen. So langsam kommt dieses Altautogefühl wieder hervor welches ich beim Käferchen immer hatte. Probleme werden kommen, aber ich muß einfach mit Ihm leben und verdammt noch mal nicht gegen Ihn.

Nun versuche ich mich zu erfreuen wie er aussieht (was immer einfach war), wie er klingt und wie er sich anfühlt. Ich versuche wieder zu erkennen welch Privileg es eigentlich ist, mit so einem alten Haufen (jetzt sind es bald 73 Jahre!!!) täglich durch die Lande fahren zu dürfen - und können. Seine Wehwehchen nicht mehr als Boshaftigkeit, schlecht gemacht oder Schmach zu sehen ist für mich schon ein riesen Schritt.

Es ist halt einfach ein alter Hund der meine Aufmerksamkeit benötigt.


Wunderbar.



So, Therapiestunde ist für heute zu Ende. Danke für´s mitlesen ;)




Freitag, 10. Februar 2017

Nicht warten

Vor geraumer Zeit hatte ich mich über den Gebrauch mit alten Autos ausgelassen:
eine-frage-des-verbrauches

Und ich kann es immer wieder nur sagen: wartet nicht damit wenn ihr ein altes Fahrzeug haben wollt. Macht es jetzt und benutzt es auch lieber. Vielleicht lassen die Schnapsdrosseln in Brüssel ja in den nächsten Jahren noch ein paar geilere Schwachsinnsideen vom Stapel und wir können unsere alten Eisen dann nur noch angucken anstatt damit zu fahren.

Hier wie da finde ich das Verhalten der Briten durchaus nachahmenswert:





Dienstag, 18. Oktober 2016

Alltauto anyone?

Oldtimer sind ja gerade voll in. Es gibt massig Zeitschriften darüber, als Spekulationsobjekte und vermeindliche Wertanlage sind sie in aller Munde und Treffen gibt es im Sommer auch an nahezu jeder Ecke.
Tja, und wo sind sie dann unter der Woche?

Die letzten Jahre bin ich wirklich viel unterwegs und das nicht immer zu den selben Zeiten.
Aber die Altautosichtungen werden immer seltener. Man sieht ab und an mal einen unter der Woche rumfahren. Aber das ist die Ausnahme. Selbst am Wochende sind es eigentlich recht wenige. Je näher man einem Treffen kommt desto mehr sieht man, daß meine ich aber nicht. Sondern so im Straßenverkehr, so ohne großen Anlass. Einfach weil sie benutzt werden.
Ich habe mich an dieser Stelle schon öfter mal darüber ausgelassen, aber mittlerweile vergehen mitunter Tage bis ich mal einen alten Wagen sehe. Alte Motorräder sind ja im Alltag nahezu ausgerottet. Da hat die Neufahrzeugmanie ja vollkommen um sich gegriffen - trotz gegenteiliger Trendbehauptungen.
Jaja, alte Moppets sind schwer angesagt - wobei alt relativ ist. Alt aussehen reicht ja - aber rumfahren unter der Woche? Zur Arbeit? Zum Einkaufen?
So gut wie nix.
Ich persönlich drehe mich dabei im Kreis. Ich kann keinen wirklichen Grund erkennen, so ein älteres Vehikel nicht einfach zu bewegen.
Warum spart man sich das auf? Damit es besonders bleibt?

Dann ist es wohl nicht geil genug.

In meinen Augen bereichert es den Alltag ungemein. Ohne geht garnicht. Selbst banal Dinge wie zum einkaufen zu fahren sind mit Vorfreude behaftet. Vom Weg zur Arbeit, oder erst recht davon zurück mal ganz zu schweigen. Selbst im Stau stehen ist damit besser als mit so einer Neuwagenwanze.
Mir geht das zumindestens extrem so. In einem neuen Fahrzeug bin ich unglücklich.
Es ist so grausig.

Vor ein paar Tagen war ich in Österreich - natürlich mit Altauto - und habe deshalb viel Zeit auf der Autobahn zugebracht.
Es ist echt nicht zu fassen was für kotzhäßliche Geschwüre auf der Bahn unterwegs sind. Und alle in der gleichen Farbe. Das kann doch nicht deren Ernst sein? Manche Autos sehen regelrecht grotesk aus (BMW X in allen Varianten seien hier besonders hervorgehoben).
Warum fahren die eigentlich nicht mit der Bahn? Langweiliger kann das auch nicht sein - schneller auch nicht. Ist ja alles voll und schnell fahren ist eh nicht.
Karren die älter als 10 Jahre sind, waren eine große Außnahme. Und die sind schon schlimm genug.

Ich werde mich jetzt mal aktiv auf die Suche nach Leuten machen, die ihre alten Eisen so richtig und ernsthaft im Alltag fahren. Egal ob mit Hakenzeichen oder nicht. Trotz aller "Wiedrigkeiten".
Einfach nur weil es geht und sie Lust darauf haben.
Muß es ja auch noch geben.

Wer das hier liest und das auch so macht, kann sich ja bei mir melden.



Donnerstag, 23. Juli 2015

Macht mal...

Man merkt schon das sich die Zeiten geändert haben.
Vor einigen Jahren noch, hat es jetzt nicht so unbedingt jemanden interessiert, daß man ein altes Vehikel durch den Alltag scheucht. In der Regel haben sich die Leute gefreut und ab und zu gab es Gespräche an der Tanke.
Und es kamen einen auch andere alte Autos entgegen, selbst bei schlechtem Wetter. Das war natürlich schön.
Aber mittlerweile sehe ich selbst bei gutem Wetter maximal am Wochenende alte Karren. Und ich bin derzeit viel unterwegs.
Die Gesprächsthemen sind auch in eine andere Richtung abgewandert. Es geht oft um das Thema Geld; das die Fahrerei anstrengen und gefährlich ist; Umweltgeschwafel; welche Kleidung bei der Oldtimerrally ect.
Für viele ist es zur Spielerrei geworden.

Auch in der Wahrnehmung der Leute hat sich was gewandelt.
Vor 40 Jahren wurde man von allen doof angesehen, wenn man ein altes Auto gefahren hat. Heute wird man von den Leuten die einen Oldie haben doof angesehen wenn man sein altes Auto nicht nur Sonntags fährt.
Unter der Woche? Bei Regen gar? Und Winter geht garnicht. Da kippen die aus den Schuhen wenn man das nur erwähnt.
Unter der Woche drängeln die dich dann mit ihren Leasingkombis von der Bahn, aber am Wochenende sind sie 1000% Oldtimerfahrer.
Ich habe auch irgendwie keine Lust mehr mich mit dem drumherum zu befassen. Oldtimergazetten kann ich mir echt nicht mehr ansehen und Olditreffen sind auch eher naja.

Ich kann es auch garnicht genau festmachen woran das jetzt so liegt.
Letztlich ja an mir, da ich ja keinen Bock mehr darauf habe.
Irgendwie ist das alles so Folklore geworden. So freudlos...gezwungen.
Und echt nervig ist auch das Geldgelaber von den Menschen die nix damit zu tun haben. Nene, nicht die üblich Spritsaufkohlewegtankwartsbesterfreundsprüche von (dieselangetriebenen) "Coupe"treibern mit 4(!) Türen, sondern das man ja sooo viel Geld haben muß um so ein altes Auto zu bewegen. Naja, wenn man nicht schrauben kann und auch noch eine moderne Wanze sein eigen nennen möchte - sicher, dann ist das bestimmt ein schweineteurer Spaß.
Aber mal ehrlich: ich versage mir auch so einige Dinge. Flachbildglotze? Smartphone? Teure Klamotten? Lege ich keinen Wert drauf. Geht mir am Arsch vorbei. Ich tanke lieber.
Wochenende auf die Piste, abends essen gehen? Selten. Wir hänge manchmal bis tief in die Nacht im Motorraum rum. Ich bin meine Werkstatt und ich bin nicht nur der Fahrer. Ich bin zwangsweise auch mein eigener Schmiermaxe. Sonst geht das nicht - oder ich werfe noch mehr Geld drauf.
Aber ich mache das gerne. Ich tue es für mich. Ich finde meine Karren so geil, das ich am liebsten damit jeden Tag fahre (wenn ich den fahren muß - ist ja auch nicht immer der Fall). Ich stecke nicht soviel Zeit und Herzblut darein, um die irgendwo rumstehen zu lassen.

Letztlich ist es ja ganz gut, daß sich immer mehr Menschen mit den "Oldies" befassen. Ist ja auch sicher positiv zu sehen wenn ich so auf die Ersatzteillage (Reifen z.B.!) schaue. Die ist gut wie nie!
Und wenn man höflich bei den (mitunter nervigen) Fragen der Unbeteiligten bleibt, ist dies auch im Interresse der ganzen Sache.
Aber wenn ich so an die letzten Unterhaltungen mit Oldtimerbesitzern und zukünftigen Oldtimeranwärtern ("am liebsten SL oder Mustang") zurückdenke, dann schaudert es mich.
Mich hat das alles abstumpfen lassen. Freue mich schon garnicht mehr so, wenn ich was altes sehe. 

Also, man sieht sich auf der Straße...nicht.



Samstag, 18. Oktober 2014